Donnerstag, 5. März 2015

Resümee

Heute war unser Operationstag ich ziehe ein Resümee.


  1. Wir wurden sehr gut empfangen, man kümmerte sich einfach um uns.
  2. Das Zimmer ist spartanisch aber liebevoll eingerichtet. Einzig an den Stühlen für die Eltern könnte man etwas verbessern. Stundenlang auf Metallstrebenrückenlehnen tat mir nicht gut...
  3. Die Versprechungen wurden soweit gehalten: Zauberpflaster und Schlafsaft gab es direkt und sie haben auch gut gewirkt. Ein großer Punktabzug bestand darin das wir nicht beim legen des Zugangs dabei sein durften und der erst im OP gelegt wurde:( Das wäre so wichtig für uns gewesen und hat uns wirklich Bauchschmerzen bereitet. Da hilft es auch nicht das das Wölfchen sich daran nicht erinnert...
  4. Wir Eltern wurden während der OP betreut und bekamen Frühstück. Vor allem die Betreuung tat sehr gut und war mir so nicht bekannt. In der Regel warten Angehörige ja ohne Betreuung weil die Notwendigkeit nicht gesehen wird oder das Personal fehlt... Wir wurden ungefragt informiert und immer wieder gefragt ob es uns gut geht. Mein Mann durfte sogar durch das Fenster schauen damit er mit gutem Gefühl zur Arbeit aufbrechen konnte.
  5. Nach der OP waren alle sehr freundlich und unaufgeregt (wie vorher :)). Ich wurde immer über alles informiert und durfte alle pflegerischen Handlungen an meinem Kind selbst vornehmen. Ich fühlte mich immer als "Expertin für mein Kind" wahrgenommen
  6. Wir wurden sowohl vom Operateur als auch vom Anästhesisten über den Verlauf aufgeklärt und für zu Hause beraten.
Fazit: Ich würde die Operation jederzeit wieder hier durchführen lassen, würde aber darauf bestehen beim Legen des Zugangs anwesend zu sein.





Kleine Anekdote am Rande: Wir freuen uns sehr darüber das seine ersten, und ständig wiederholten, Worte waren "hast du das gehört?"

Kommentare:

Daria vom Lüthjenhof hat gesagt…

Schön dass Ihr das alle gut überstanden habt :-)


..nur eine kleine Anmerkung am Rande von jemandem, der "auf der anderen Seite" arbeitet: Dass Eltern oft zum Legen eines Zugangs rausgeschickt werden, hat mehrere Gründe. Einmal dass man nicht weiss, wie Eltern reagieren, viele werden selbst instabil und dann hat man manchmal nicht die Kapazitäten, sich um diese auch noch zu kümmern. Mal ganz abgesehen davon was es mit dem Kind macht, zu sehen, dass seine Mama/sein Papa "wie tot" umfällt.

Und es hat vor allem den psychologischen Hintergrund, das man die Eltern weiter als "die Guten" dastehen lassen will. Denn, Eltern, die anwesend sind wenn einem Kind Schmerzen zugefügt werden oder wenn es festgehalten wird, die aber gleichzeitig nicht helfen (denn so wirkt es ja für das Kind) sind ganz klar böse. Die Kinder fühlen sich hilflos weil sie nichtmal von den Menschen, denen sie am meisten vertrauen und von denen sie sich selbstverständlich Hilfe erwarten, von denen Hilfe bekommen. Es bringt das Bild der Eltern mitunter ziemlich ins Wanken, vor allem wenn das Zugang-Legen schwierig oder langwierig ist. Die hilfesuchenden Blicke der Kinder zu ihren Eltern sind grausam, wirklich! Und da hilft es herzlich wenig, wenn die streicheln und halten und sagen "alles in Ordnung so, das muss jetzt sein, ist gleich besser,..." - das Kind ist verletzt - punkt und aus, das Kind fühlt sich alleine gelassen.

Man will hier also bewusst die Eltern "schuldfrei" halten für das Kind und die negativen Gefühle eben lieber auf das Personal mit der nötigen Distanz (bei hoffentlich nicht fehlendem Empathievermögen und Wärme) projizieren.

Aber ich weiss auch, wie es sich andersherum anfühlt. Ich kann total nachvollziehen, wie man sich fühlt. Als mein Sohn seinen Ertrinkungsunfall hatte, war ich zB auch nicht dabei als er Intubiert und Extubiert wurde. Das hat mir sehr wehgetan und ich bin die Wände hochgegangen vor seinem Zimmer, ich wär fast gestorben, so fühlte es sich an.
Dennoch weiss ich, dass ich erstens drinnen keine Hilfe gewesen wäre. Zweitens weiss ich, dass mich der Anblick meines Sohnes in dieser Situation um den Verstand gebracht hätte (auch wenn ich das bei der Arbeit quasi täglich sehe, aber da sind es fremde Kinder...) und ich weiss auch, dass in solchen Situationen immer Unvorhergesehenes passieren kann, das mehr Aufregung macht wenn man nur zusieht als wenn man "drin" ist. Zuschauer schätzen manches dann akuter ein, brisanter, sind ängstlicher als sie es fachlich vielleicht sein müssten. Und diese Unruhe ist für alle Beteiligten nicht gut...

Sei ganz lieb gegrüßt!
Daria

Frau imWesten hat gesagt…

Liebe Daria,
Vielen Dank für Deine lieben Worte. Mir wurde auch erklärt das sie damit bessere Erfahrungen gemacht hätten, weil sich Ängste nicht übertragen und die Eltern hinterher die lieben sind die trösten und verwöhnen und es hilft das Vertrauen zu den Eltern nicht zu zerstören...
Daher konnte ich jetzt auch meinen Frieden damit machen.
Ganz liebe Grüße
Jenny