Mittwoch, 26. August 2015

Und in mir die Angst...

Ich habe nicht viel zu erzählen, kenne diese Geschichten nicht von Angst und Vertreibung. Die Geschichten der Familien, zu vieler Familien...
Die Eltern meiner Eltern haben nie erzählt, ihre Geschichten zu Grabe getragen. Nicht existent? Zu schlimm? Ich weiß es nicht.

Aber ich weiß noch wie gestern HoyerswerdaLichtanlagenMölln und dann Solingen.

Solingen- so nah und doch so fern...

Ich war ein Teenie, gerade 14 Jahre alt, ein gut behütetes Kind in einer Familie ohne Fernseher. Ich ging zur Waldorfschule und wusste nicht all zu viel vom Leid in der Welt.
Aber diese Bilder voller Angst und Hass und Leid waren so gegenwärtig das sie auch an mir nicht  vorüber gingen.

Sie erzeugten Angst, viel Angst und den Gedanken irgend etwas tun zu müssen. Aber was?!
Meine Schwester und ich wussten nicht viel und konnten nicht viel, ausser musizieren.
Und so standen wir dort, auf einem Parkfest, mit Geige und Flöte und spielten. Ein wenig zitternd, aber mit dem Mut der Angst um Spenden für die Opfer. Das war das einzige was wir noch tun konnten


Auch heute habe ich wieder Angst. Angst davor was passiert in diesem Land, in unserem Land!
Und ich möchte brüllen: Der "besorgte Bürger" das bin ICH!!!!
Schöne Worte von braunen Horden in`s negative verdreht...
Gutmensch- als Schimpfwort...

Und über allem die Angst, vor einem weiteren Unglück wie damals. Wir wissen es schließlich alle: das es bisher keine Toten gab ist pures Glück.

Und daher schließe ich meinen Text mit diesen Worten

Wacht auf, - denn eure Träume sind schlecht!
Bleibt wach, - weil das Entsetzliche näher kommt.
Auch zu dir kommt es, der weitentfernt wohnt
von den Stätten, wo Blut vergossen wird,
auch zu dir und deinem Nachmittagsschlaf,
worin du ungern gestört wirst.
Wenn es heute nicht kommt, kommt es morgen,
aber sei gewiß.
"Oh, angenehmer Schlaf
auf dem Kissen mit roten Blumen,
einem Weihnachtsgeschenk von Anita, woran sie drei Wochen gestickt hat,
oh, angenehmer Schlaf,
wenn der Braten fett war und das Gemüse zart.
Man denkt im Einschlummern an die Wochenschau von gestern abend:
Osterlämmer, erwachende Natur, Eröffnung der Spielbank in Baden-Baden,
Cambridge siegte gegen Oxford mit zweieinhalb Längen, -
das genügt, das Gehirn zu beschäftigen.
Oh, diese weichen Kissen, Daunen aus erster Wahl!
Auf ihm vergißt man das Ärgerliche der Welt, jene Nachricht zum Beispiel:
Die wegen Abtreibung Angeklagte sagte zu ihrer Verteidigung:
Die Frau, Mutter von sieben Kindern, kam zu mir mit einem Säugling,
für den sie keine Windeln hatte und der
in Zeitungspapier gewickelt war.
Nun, das sind Angelegenheiten des Gerichtes, nicht unsre.
Man kann dagegen nichts tun, wenn einer etwas härter liegt als der andre.
Und was kommen mag, unsere Enkel mögen es ausfechten."
Ach, du schläfst schon? Wache gut auf, mein Freund!
Schon läuft der Strom in den Umzäunungen, und die Posten sind aufgestellt.
Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!
Seid mißtrauisch gegen ihre Macht, die sie vorgeben für
euch erwerben zu müssen.
Wacht darüber, daß eure Herzen nicht leer sind, wenn mit
der Leere eurer Herzen gerechnet wird!
Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet!
Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!

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