Freitag, 1. April 2016

Wohn(t)räume


Angst um Wohnraum...kannte ich bisher so gar nicht.

Aufgewachsen bin ich in einer Neubausiedlung. Reiheneinfamilienhäuser mit winzigen Gärten. Möglich u.a. durch Baukindergeld.

Wir waren immer die Exoten. Die "Hippies" mit den Airbrushautos, der bunten Gartenhütte und den 4 Kindern.
Einige Erwachsene sprachen über uns, die Kinder hat das nie interessiert. Wir hatten eine glückliche Kindheit. Viel Natur und Freiheit.


Die erste eigene Wohnung war kein Problem. Wir zogen einfach im Haus des Lebensabschnittsgefährten eine Etage höher.

Danach wurde ich Mitglied in der Wohnungsgenossenschaft und es war kein Problem familiären Wohnraum zu finden.

Mutter, Vater, 2 Kinder und Kleinstadt. Passt!


Dann der Cut:


 Umzug in die "Großstadt", alleinerziehend, Arbeitslos...
Schwierig, aber nicht unmöglich.

Genossenschaftswohnung mit Bett im Wohnzimmer. Ich bin nicht anspruchsvoll.

Schwieriger wurde es mit der Privatsphäre. Ess-,Schlaf-und Wohnraum waren ab Eingang begehbar. Keine Tür/Wand und damit kein Rückzugsraum für mich. Problematisch wenn Frau gerade jemanden kennenlernt...

Dann wieder schwanger. Schit, was jetzt? Gesucht, nichts gefunden, Fehlgeburt, Suche eingestellt und vertagt. Ging also erst mal so.


Dann kam der Wolfsjunge. Erst in der 25. Schwangerschaftswoche waren wir erfolgreich. Wir wähnten uns im Wohntraum. Geräumige 5 Zimmer, riesiger Garten...
Etwas verwahrlost, sollte aber alles erledigt werden.



Wir werkelten und renovierten, alles wurde schön.

Nur der Vermieter, mit Wohnsitz im Ausland, erledigte gar nichts und war auch nicht erreichbar.

Nun ja, wir konnten vieles selbst machen. Außer der Heizung...

Das 5te Zimmer hatte nämlich keine und war mit Neugeborenem nicht nutzbar.

Da ein Baby noch kein Zimmer benötigt, war das jetzt nicht tragisch aber ärgerlich.

Die Mietzahlungen anpassen interessierte nicht, immer häufiger ging die Miete eh an Gläubiger.
Und auch die Energieversorgung konnten wir mehrfach nur knapp sicher stellen.

Wir suchten wieder und leb(t)en derweil in einer Wohnung ohne Heizung, stark sanierungsbedürftig...

Jetzt kam die Post... Anwaltsschreiben: Eigenbedarf, Auszug binnen 2 Monaten.

Angst macht sich breit!

Ich suche seit 3 Jahren und ein lächerlicher Anwalt erzählt mir Härtefall sei nicht erkennbar es gäbe genug Raum...

Ja wo denn?!


Natürlich könnte ich Wohnraum haben. Kleiner, also für die "Standardfamilie" mit ihren 2 Kindern oder aber Luxussaniert mit Seeblick für 1.800€ Kaltmiete. Quadratmeterzahl würde sogar passen...




Lieber Staat,

hier sind wir! Menschen die sich was trauen. Die Kinder bekommen die diese Welt besser machen können. Unsere Zukunft (Eure Worte)!

Wo sollen meine Kinder denn ihre/unsere Zukunft gestalten wenn ihr Wohn(t)räume luxussaniert. 

Für reiche Einzelpersonen mit Wunsch nach Weite in den eigenen 4 Wänden?!

Meine Situation ist diese: ich muss, binnen 2 Monaten, Raum finden, mieten, renovieren und beziehen.
Mit drei Kindern und einem frisch operierten Mann. Also: ALLEINE!

Wer ist hier schützenswert? 




Übrigens geht`s uns noch richtig gut. Es gibt auch Menschen ohne Wohnraum!


Das wird sich nur kaum ändern so lange hier Menschen leben die mehr haben wollen, und bekommen, als sie brauchen.


Wo Leerstände teuer abgerissen werden oder verfallen um die Flächen zu verkaufen und Luxuswohnraum zu schaffen....


Denkt mal drüber nach!







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