Dienstag, 19. Dezember 2017

Let`s talk about (Eltern)Sex - eine Antwort

Ich las gerade den Artikel von der lieben Heike auf "2kindchens zum Thema "(Eltern)Sex" und mag da 
etwas zu Antworten.

Liebe Heike,

ich kann Dich sehr gut verstehen. Auch wenn mein Ex-Mann in einigen Hinsichten anders reagiert hat als Dein Mann finde ich mich doch viel in Deinen Erzählungen wieder.

Der "Neid" morgens ins Büro zu "dürfen". Die ständige Verfügbarkeit auch unter der Dusche und auf dem Klo. Der mangelnde Schlaf während er durch (und auch) ausschläft. Das Gefühl am Abend seinen Körper für sich haben zu wollen...

Mir ging es diesbezüglich wie Deinem Mann: ich ließ keine Annäherung mehr zu, denn nicht ich hätte dann mehr gewollt sondern er... (das er es sich einfach genommen hat ist eine andere Dimension)

So fehlte jedem etwas. Dem einen Sex, dem anderen Zärtlichkeit.


Ich betrachte die Situation mal von Unterschiedlicher Seite: der Persönlichen, der Strukturellen und der Beziehungssoziologischen.

Persönlich:

Liebe Heike,

Du hast einen 24-stunden Job. Rufbereitschaft wird in anderen Jobs bezahlt !
Was Du leistest ist nicht bezahlbar. Es könnte sich niemand leisten.

Du hast keinen Urlaub, keine Auszeiten. 
Dein Mann hat diese Verfügbarkeit nicht. Ihm folgt niemand unter die Dusche oder auf die Toilette (und wenn dann hälst Du den kleinen Menschen davon ab richtig? Kenne ich ;-)). Er kann Raucherpausen mache. In der Mittagspause in Ruhe essen und, ganz wichtig!, sein Körper gehört ihm!
Natürlich hat er andere Belastungen, aber es sind eben andere in die Mann auch anders emotional involviert ist...

Die strukturelle Seite:

Ich war schockiert über diese Aussagen
"Und dann muss ich mir wieder Vorwürfe anhören a'la woanders geht es ja auch und da haben die mindestens einmal die Woche Sex. Trotz kleiner Kinder. Ich sollte mal zum Therapeuten gehen oder zum Frauenarzt, meine Hormone untersuchen lassen etc. Das tut weh und ist auch nicht wirklich hilfreich."

Obwohl ich sie nur zu gut kenne. Ich kenne auch aussagen wie "das sind meine Brüste ich hab die geheiratet"...

All diese Sprüche bedeuten nichts anderes als: "Frau wenn wir keinen Sex haben (können) funktionierst Du nicht!"

Das ist der männliche Blick des: "ich bin ein Mann, ich nehme mir was ich will und es steht mir zu!"

Und das ist ein Problem patriarchaler Strukturen. Männer die, aus welchen Gründen auch immer, meinen ihnen stehen diese Dinge zu. Es ist ihre Frau, also ist es auch ihr Körper...
Die Frau als Besitz des Mannes.


Beziehungssoziologie:

Die Soziologie tut sich mit einer Definition von  Freundschaft und Liebe sehr schwer. Sie beschreibt Freundschaft als 

"Dyadische, emotionale, informelle Sozialbeziehung, die auf Gegenseitigkeit beruht, einen (unterschiedlichen) Wert für die Personen besitzt und durch Freiwilligkeit, nicht fixierte zeitliche Ausdehnung, positiven Charakter und fehlende offene Sexualität gekennzeichnet ist."

Wir haben Freundschaften die verschiedene Bedürfnisse befriedigen. Mit dem einen Menschen gehen wir ins Kino, mit den anderen ins Café, Kino, zum Sport etc. Das ist auch gut so, weil wir vielschichtige Persönlichkeiten mit verschiedenen Bedürfnissen sind die nicht ein Mensch befriedigen kann.

Aber in der Partnerschaft soll das plötzlich machbar sein.
Da soll plötzlich ein einziger Mensch all unsere Bedürfnisse befriedigen. Emotional, strukturell und sexuell.
Es ist nunmal so das der/die Partner*in manchmal keine Lust auf Kino hat und dann gehen wir dort halt mit einem anderen Menschen hin, aber Sexualität ist eine völlig monogame Sache. Sie findet ausschließlich und exklusiv mit einem Partner/einer Partnerin statt. Aber das führt auch zu ganz viel Frust...

Was ist wenn ein*e Partner*in andere Bedürfnisse hat als der/die andere Partner*in hat?
Dann bleibt  immer ein Mensch auf der Strecke. Das passiert z.B. in sehr belasteten Strukturen, bei unterschiedlichem Verlangen in Häufigkeit oder sexuellen Praktiken. Da denke ich müssen wir uns Gedanken machen ob es nicht unter Umständen sinnvoll sein kann es wie in Freundschaften zu sehen: so wie ich nicht mit jeder Freundin zum Sport und mit jedem Freund in die Oper gehe, so könnte Mensch unter Umständen auch darüber nachdenken unterschiedliche Bedürfnisse mit unterschiedlichen Menschen zu leben.
Die Gestaltung muss natürlich jeder Mensch für sich selbst finden ♥










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