Montag, 7. Mai 2018

Und immer wieder Schule oder "das Private ist politisch"

Ich möchte Euch eine Geschichte erzählen. Es ist die Geschichte eines Kindes und seiner Eltern. Unsere Geschichte...



Das Kind war ein sehr fröhliches Vorschulkind. Voll Inbrunst und Freude erzählte es überall das es in die Schule kommt. Seit einem Jahr und nun sollte es endlich so weit sein.

Im Sommer 2017 wurde es endlich eingeschult.


Es tat sich schwer. Mit dem Sitzen. Mit der Konzentration. Mit dem Lernen. Es wurde immer trauriger. Es bekam Bauchweh und Kopfweh. Es gab Gespräche. Mit der Schule. Mit Ärzten. Mit Behörden.

Und dann hatten wir es geschafft. Das Kind musste nicht mehr hin.

Alle waren sich einig das ein Jahr Kindergarten gut getan hätte und es einfach Zeit braucht.

Und einen Vorschulort...

Denn dieses Kind braucht andere Kinder. Es verlangt nach Gemeinschaft und genau da wird's politisch!

Das Schulgesetz sieht nämlich eine Rückstellung vom Schulbesuch nur unter strengen Vorraussetzungen vor:

"Nach geltender Rechtslage können schulpflichtige Kinder nur aus erheblichen gesundheitlichen Gründen für ein Jahr zurückgestellt werden. Die Entscheidung trifft die Schulleitung auf der Grundlage des schulärztlichen Gutachtens. Die Eltern sind anzuhören (§ 35 Absatz 3 Satz 1-3 Schulgesetz). Bislang wurde diese Rechtslage so verstanden, dass Grundlage der Entscheidung der Schulleitung allein das schulärztliche Gutachten war."

Diese Bedingungen heißen im Klartext: eine Rückstellung erfolgt nur dann wenn eine lange Krankenzeit, am besten mit Krankenhausaufenthalt vorausgegangen war. Dies erfüllte das Kind jedoch nicht. Die Schulärztin befand es Schulreif und auch im Schulspiel gab es nur Kleinigkeiten. 

"Mit zusätzlichem Sport und üben bekommen wir das hin. Es will ja lernen!"

Jetzt hatte sich das Blatt gewendet. Dem Kind ging es schlecht, mit der Schule gab es keine Einigung und ich beschloss das jetzt Schluß sei. 

Und nun standen wir da. Noch keinen Schulplatz und keinen Kindergartenplatz mehr.


Wie macht Mensch das?



Hier geht es, weil ich studiere. Jetzt halt bedeutend langsamer. Aber was machen berufstätige Eltern?


Hier werden Eltern buchstäblich im Regen stehen lassen.



Wir hatten Glück und haben mit viel Engagement und Fahrerei einen Platz im Neuen Lernort bekommen. Dort verbringt das Kind zwei Vormittage die Woche. Mit Hin- und Rückfahrt ist es keine Elterentlastung. Aber für das Kind ist es großartig.

Intensive Betreuung von unglaublich tollen Menschen in lebendiger Umgebung. Fürs Leben lernen!

Aber was machen Eltern die nicht fahren können? Berufstätige Eltern? Eltern die nicht die Möglichkeit haben die Kinder zu Hause zu betreuen?

Hier brauchen Eltern Unterstützung! Wer ein Schulgesetz schafft was Rückstellungen nicht zulässt, benötigt alternativen für Eltern und Kinder fernab von Förderschulen. Kindergartenplätze, Vorschulorte, alternative Lernorte.



Lasst die Eltern nicht allein!



Und dann ist da noch die Sache mit dem Schulplatz...
Denn die Anmeldezeiten der Grundschulen sind vorbei. Die waren im November. Da ging das Kind noch zur Schule. Jetzt sind die Klassen voll und das Kind hat keinen Schulplatz...

Und auch hier gilt: was tun Eltern in dieser Situation? Wo sind die "Notplätze" für unsere Kinder?


Diese Tatsachen drücken Familien in traditionelle Rollenverteilung. Die Tatsachen fördern Erwerbslosigkeit von Frauen und damit Altersarmut. Diese Tatsache stützt, schützt und festigt das Patriarchat!



Das Private ist politisch! 

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